Klaus Hirsch +

Bereits vor anderthalb Jahren verstorben ist Doktor Klaus Hirsch. Er fehlt. Ein gütiger, engagierter und sanftmütiger Zeitgenosse. Er war einige Jahre in Kamerun mit Doktorin Waltraud. Dort wurden ihre drei Kinder geboren. Eine Station in Kirchheim Teck, dort war er Stadtrat für „Die Neuen“ als Vorgängerinnen der Grünen. Dann glänzte er fast 30 Jahre als Studienleiter in der legendären linksliberalen Denkschmiede Evangelische Akademie Bad Boll. Der Theologe hatte nach seiner Rückkehr über die Bamileke im kameruner Grasland in Ethnologie promoviert. Ehefrau Waltraud hatte ihre theologische Promotion über das Judentum abgelegt.

Sein bester Freund ist und bleibt Professor Doktor Tirmiziou Diallo, der vor 60 Jahren aus Mamou, Republik Guinea, nach Deutschland eingewandert ist, um unter Theodor W. Adorno und Max Horkheimer Soziologie zu studieren.

Klaus und Tirmiziou waren bei meiner 50Jahr-Feier 2017 im Kulturbesen von Jürgen Krug in Feuerbach. Und Klaus hatte mir ein Praktikum bei Uwe Walter+ in der Öffentlichkeitsarbeit der Akademie verschafft. Bei all den Seminaren, an denen ich unter Federführung von Klaus telnehmen durfte, ist mir eines am nachhaltigsten geblieben: „Wirtschaft 2000“ mit unter anderen Gabriela Simon vom Freitag. Kurzum, Klaus hat mir die Augen geweitet und tut das jetzt immer noch. Ich muß nur seine liebevollen Adventsbriefe zum 6. Dezember jedes Jahres lesen, beeindruckend.

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Soukous in der Galeere

Freitag, 11.4.25 von 9 bis 11 Uhr im Freien Radio für Stuttgart (http://www.freies-radio.de) Eine Woche dort in der Mediathek. Der Genosse amokfisch rudert heute zu der belgischen Kolonie Kongo. Dort entstand in den 1950er Jahren der Soukous. Es ist ein Musikstil, der von Westafrika nach Kuba wanderte und von dort als Rumba zurück nach Afrika. Mensch kennt die tranceartigen Gitarrenläufe. Originalmusik von 1956 bis 1982.

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Manu Dibango 1934-2020

Portrait von Manu Dibango (Grunbach, amokfisch 1985)

Im Alter von 86 Jahren ist vor einer Woche der größte Musiker Afrikas in Paris verschieden. Manu Dibango war der erste berühmte Corona-Tote auf unserem Planeten. Natürlich gab es Om Kalthoum, Miriam Makeba, Hugh Masekela, Fela Kuti, Franco und gibt es Salif Keita, Angelique Kidjo und Youssou N’Dour. Aber der Saxophonist, Vibraphonist, Sänger, Grupenleiter, Arrangeur und Komponist war schon etwas Besonderes. Er umzäunte musikalisch einen Bereich zwischen Jazz, Funk und Pop. Berühmt wurde er mit dem Douala-Tanz Makossa, den er über die Jahrzehnte immer wieder neu aufnahm.

Er stammte aus der kamerunischen Hafenstadt Douala und lebte seid langem in Paris, wo er die Rolle des Vaters für alle gestrandeten afrikanischen Musikerinnen ausübte. Mit dem südafrikanischen Trompeter Hugh Masekela (Don’t go loose it baby, Ehemann von Miriam Makeba (Pata, Pata)) teilte er sich eine Wohnung in New York. Sein letztes Konzert in Stuttgart gab er vor vier Jahren auf dem Sommerfestival der Kulturen mit einer kleineren Gruppe. Das war natürlich der Höhepunkt, die Stuttgarterinnen tobten.

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Wo ist Afrika?

Nach dem Besuch im Stuttgarter Lindenmuseum am Freitag vor der Kommunalwahl, bei der ich in den Fellbacher Gemeinderat gewählt wurde, war mensch etwas schlauer als vorher. In diesem nachkolonialen Museum werden 40.000 Objekte aufbewahrt vom ganzen Planeten. Erst vor Kurzem fing die Diskussion an über die Restitution, also die Rückgabe der geklauten Dinge an die ehemaligen Kolonien. Diese liegen bekanntlich nicht in Europa sondern in Ozeanien, Lateinamerika, Afrika und Asien.

Im Lindenmuseum gab es vor einem Jahr eine Aktion zweier Afrikaner mit dem Zweck der Versöhnung. In der Ausstellung der Afrika-Abteilung, die umgemodelt war, wurde klar, daß sich deutsche Offiziere und Adlige mit einer Sammelwut Gegenstände aus dem Kontinent unter den Nagel gerissen haben. Dies nicht aus Respekt vor den Afrikannerinnen, sondern nur um die eigene Macht zu vergrößern und sich um die religiösen Umstände dieser Masken und so fort einen Dreck zu scheren. Mit dem Ganzen ging auch der Haß des Christentum auf alles Animistische (Anima=Seele) einher. Der Kolonialismus hatte nur einen einzigen Zweck: die Ausplünderung der Rohstoffe der Kolonien zur Bereicherung von Europa. Mensch braucht sich nicht wundern, wenn die Menschen vor der Festung Europa stehen um Anzuklopfen, da sie etwas von dem Reichtum zurück haben wollen, den wir Europäerinnen ihnen gestohlen haben.

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Das Klugfon

Jede hat es, jede braucht es: das tragbare Telefon, das auch noch klug ist. Jedenfalls klüger, als manche sich zugestehen. Das geht soweit, daß mensch wischend und tastend mit dem Ding auf dem Gehweg als Fußgänger umherrennt und im Auto als Verkehrsteilnehmer umherfährt, ohne die Umwelt mehr wahr zu nehmen. Das produziert natürlich jede Menge Tote. Unschuldige, die zusammengefahren werden. Jede macht mit, wer kein Klugfon hat, wird ausgegrenzt. Es ist auch unfaßbar, daß sich heute noch Menschen bewußt kein solches Teil zulegen.

Natürlich macht das Ding süchtig, natürlich ist es sackteuer. Abgesehen davon, daß die seltenen Erden, die jedes dieser Teile benötigt im Ostkongo von Kindersklaven ausgegraben werden. Bricht sich ein Kind den Fuß, wird es liegen gelassen und es stirbt. Ein neues Kind zu beschaffen, kostet ja nichts. Sind ja auch nur Afrikanerinnen, was regen wir uns künstlich auf. Die haben halt die falsche Hautfarbe und sind weniger Wert als ein Meerschweinchen.

Die Flucht vor Krieg hat durch das Klugfon eine völlig neue Qualität gewonnen. Fluchtwege und Schleuserinnen können dadurch schnell herausgefunden werden. Noch nie gab es so viele Flüchtlinge auf dem Planeten wie heute. Ohne das elektronische Teil in den Händen all dieser Menschen wäre die Zahl wohl kleiner. Das  Zwischennetz fordert hier seine Opfer.

 

 

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