Richard Galliano

Dieser unglaubliche Franzose hat zusammen mit dem Stuttgarter Kammerorchester im Theaterhaus musiziert: Richard Galliano ist der bedeutendste lebende Akkordeonist auf unserem Planeten. Natürlich, es gibt beipielsweise noch Jean-Louis Matinier oder Luciano Biondini, aber Galliano ist einfach erfahrener.

Es wurden Stücke von Bela Bartok, Georg Breinschmid, Richard Galliano, Joaquin Turina und Astor Piazzolla dargeboten. Erstaunlicherweise gab es keine Dirigentin, nein, das kleine Orchester wurde unter der ersten Geige von Meesun Hong Coleman geleitet. Die Stücke waren sehr gehaltvoll, niemals oberflächlich. Auch schön jazzig und weltmusikalisch, das ging über die traditionelle Klassik hinaus.

Richard Galliano spielte im ersten Teil das diatonische Akkordeon (Knöpfe statt Tasten). In der zweiten Hälfte dann das Bandoneon, von einem Deutschen entwickelt und durch den argentinischen Tango erfolgreich geworden. Das Publikum war kein klassisches, immer wieder wurde in die Kompositionen hineingeklatscht. Galliano beendete sein Gastspiel mit einer fulminant improvisierten Zugabe auf seinem Akkordeon ohne Orchester. Ach ja, er ist auch ein Vertreter der Musette nouvelle, so wie Piazzolla mit seinem Tango nuevo.

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Uri Caine (p) trifft das Sirius Quartet

Als Eröffnung am Ostersonntag 2012 beim Jazzfestival in Halle T2 des Theaterhauses vor 400 Zuhörerinnen spielte das Streichquartett Sirius durchkomponierte Stücke nach Art Neuer Musik. Vor zwei Jahren gab das Sirius Quartet ein Konzert im Stone, dem Klub des Altsaxophonisten, Komponisten und Plattenverlagsinhaber John Zorn in New York. Der Ausnahmeklavierspieler hörte zu und war angetan, so daß er eine fünfteilige Komposition für die Vier und sich verfaßte, die an diesem Abend ihre Uraufführung hatte. Vorher gab es noch vier kurzweilige Einzelimprovisationen von Caine am Klavier. Mozart, Waller und Metheny waren zu hören, eine schöne Klammerung zwischen Klassik und Jazz, einer Spezialität des Tastenmenschen Uri Caine. Ein gelungenes Schachspiel des Geigers Gregor Hübner, der ein Viertel von Sirius ausmacht.

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Stuttgarter Kammerorchester

Nicht zum ersten Mal spielte das mittlerweile 67 Jahre alte Kammerorchester unserer Stadt, bestehend nur aus Streichern und kleiner als ein Orchester, größer als ein Kammerensemble, im Theaterhaus auf. Unter der Leitung von Christoph Altstaedt boten sie vier zeitgenössische Kompositionen dar, Minimalismus von John Adams, Wilhelm Killmayer und Steve Reich und ein epochales Werk von Aulis Sallinen. Die so um die 600 Zuhörenden vernahmen krumme Takte, arabische Anleihen, Tango und allerhand mehr. Die anspruchsvollen Stücke wurden von den internationalen Musikerinnen virtuos und gekonnt dargeboten und zum Schluß gab es nach der Zugabe von Astor Piazzolla viel Beifall und vereinzelt Bravorufe.

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African Tales

Nun kommt der Sommer doch noch. Passend dazu das Eröffnungskonzert des Musikfests Stuttgart 2011, das von der Bach-Akademie veranstaltet wird. Ein großes Orchester bot Arrangements des Saxophonisten Daniel Schnyder dar. Es begann im Barock (Vivaldi, Händel), ging dann über zu Horace Silver, Abdullah Ibrahim und Mongo Santamaria. Das International Regions Symphony Orchestra aus Ochsenhausen (jugendliche Talente) spielte vor der fast ausverkauften großen Halle T1 im Theaterhaus auf. Alle möglichen Blasinstrumente waren dort integriert, allerdings ohne ein Saxophon. Natürlich ein großer Streichersatz und Schlagwerk. Dann nach der Pause ging es bombastisch weiter: das Epos Sundiata Keita von Schnyder für vier Afrikaner, Frauenchor und Orchester aus dem Jahre 2008 wurde aufgeführt. Zwischendurch glänzten immer wieder die improvisierenden Afrikaner mit Gesang, Djembe, Balaphon und Kora. Ein beindruckender und gelungener Abend ging nach zwei Stunden zu Ende. Das Publikum jedenfalls war hin und weg.

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