Sieben Sünden

Der aktuelle Schlag von Eric Gauthier hatte gestern Premiere im Theaterhaus. Die Tanzkompanie des Hauses führte nun Seven Sins auf. 7 Weltchoreographinnen interpretierten die 7 Todsünden aus der Bibel in ihrer jeweiligen Sicht. Als da waren: Hochmut, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Faulheit. Das Ganze wurde den 8 Tänzerinnen und 8 Tänzern spektakulär auf den Leib geschrieben. Und ging zwei Stunden ohne Langeweile, witzig und charmant führte Eric in den Umbaupausen durch den Abend. Mittlerweile arbeitet er sogar mit Weltmeister Jürgen Klinsmann zusammen. Und wer noch nicht genug hat: demnächst tobt das dritte internationale Tanzfestival Colours im Theaterhaus. Selbst Kunscht (SWR Fernsehen) und arte journal berichteten über das aktuelle erfreuliche Produkt von Tänzer und Musiker Eric Gauthier.

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Das Geschenk

Selbstverständlich gab der multifunktionale Eric Gauthier dieser Vorstellung im Theaterhaus einen englischen Namen. Und alle Einsprechungen sind in dieser Weltsprache, die auf das britische Imperium zurückgeht. Es ist die Tanzsprache weltweit und die Tänzerinnen von Gauthier Dance unterhalten sich fast nur auf Englisch. Im Büro der Tanzleiterin Lisa Beck wird selten Deutsch gesprochen.

Eric hat sich dieses Stück vom israelischen Choreographen Itzik Galili auf den Leib schreiben lassen. Die Aufführung war der letzte Tanz in seiner Karriere, und das allein auf der Bühne. Eric ist Tänzer, Kompanieleiter, Choreograph, Festivalgründer, Tanzmesseorganisator, Musiker, Komponist, Preisträger, dreifacher Familienvater, Häuslesbesitzer, Sohn eines führenden Alzheimer-Professors. Im „Geschenk“ geht es um seine kreative Gabe und seinen Abschied von der Tanzbühne. Inhalt sind leere Gläser, die seine Erinnerungen aufbewahren. Elektronische Hilfsmittel werden eingesetzt. Er bringt auch nebenbei das Publikum zum Tanzen. Zum Glück spricht er Passagen immer wieder auf Deutsch, das der ehemalige Solist vom Stuttgarter Ballett unter Reid Anderson ganz gut beherrscht mittlerweile.

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Große Damen

Damit meint Eric Gauthier zwei Choreographinnen und eine Tänzerin. Diese gestandenen Tanzexpertinnen haben die Kompanie im Theaterhaus zu vier kurzweiligen Choreographien inspiriert. Immer jeweils eine Viertelstunde lang. Dieses Format pflegt Eric schon von Anfang der Truppe vor 12 Jahren an. In der vergangenen Zeit gab es so nur zwei abendfüllende Stücke der Tänzerinnen: Poppea/Poppea und Nijinski. Ansonsten jede Menge Inszenierungen, die aus mehreren eigenstündigen Teilen bestehen. Immer mit Witz und für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Eric hat bei der Lektüre einer Kritik von Gauthier Dance in der New York Times den Auftrag bekommen, Frauen zu integrieren, was seither bei den Choreographien zu kurz kam. So entstand Grandes Dames. Gestern haben die 7 neuen Tänzerinnen (insgesamt 16) zum ersten Mal nach der Sommerpause, in der gut besuchten Halle 1 gezeigt, was sie auf der Pfanne haben. Unvergeßlich beispielsweie die reizende Anneleen Dedroog, eine Flämin (holländisches Belgien). Sie mußte auf Stelzen eine Domina darstellen und mit einer Peitsche knallen, was glaubhaft funktionierte. Sie ist übrigens Sprecherin der Tänzerinnen vom Theaterhaus. Zum Schluß gab es zu Musik von David Bowie jede Menge Applaus beim Vorhang und wieder stehende Begeisterung. Zu den nächsten Terminen bis Sonntag, 14. Oktober, gibt es noch Karten. Danach geht die Produktion auf Rundreise.

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Medea

Die rührige Tanzprofessorin Katja Erdmann-Rajski hat mal wieder ins Theaterhaus gebeten. Das Stück war den Frauen gewidmet: drei Tänzerinnen und ein Frauenchor agierten auf der Bühne. Bei Medea von Euripides geht es recht brutal zu. Auszüge las eine Frau vor. Ebenso in Frauenhand die Bühne und Kostüme. Die einzigen beteiligten Männer waren Johann-Sebastian Bach (Cellosuite) und eben der Verfasser der ganzen Geschichte, nach der auf der Bühne getanzt und bewegt wurde, eben der Grieche Euripides aus dem Altertum.

Zwischendurch wurde auch aus Schachteln des Ferrero-Konzerns gegessen oder Champagner auf den Kopf geleert. Das Stück kam vor dem Publikum sehr gut an, es wurde ausgiebig geklatscht. Ach ja, die Tänzerinnen agierten das komplette Stück über allesamt nackt.

 

 

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Mega Israel

Nein, dieser Tanzabend ist keine Umsetzung eines Groß-Israels von Premierminister Benjamin Netanjahu, auch wenn hier keine Palästinenserinnen vorkommen. Nein, der Abend bestand aus drei Choreographien von vier israelischen Choreographinnen, für die Theaterhauskompanie vor einem Jahr zur Eröffnung des zweiten Farbenfestivals geschaffen. Da die Lautstärke der zugespielten meist elektronischen Musik so laut wird, daß jede Besucherin an all den ausverkauften Abenden zwei Ohrstöpsel an ihren Platz gesteckt bekam.

Die erste Choreographie von 2006 wird von 7 Damen vom hauseigenen Ensemble bestritten, die zweite Choreographie von 2009 von 6 Männern. Nach der Pause dann das beeindruckendste Teil mit einer Uraufführung aus dem Jahr 1999. Hier zeigt die komplette Gauthierkompanie ihr ganzes Können. Und mit dem heutigen Abend hat sich diese Produktion auch abgespielt.

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