Ziemlich beste Freunde

Zum Riesenerfolg des gleichnamigen Films mit den beiden Hauptdarstellern Francois Cluzet (Round Midnight, die Hölle) und Omar Sy gibt es auch ein Theaterstück, das schon seit Jahren im Theaterhaus gespielt wird. Im Schauspiel übernehmen hier der glänzende Charakterdarsteller Stephan Moos (ehemaliger Sonderschullehrer) und der ebenfalls brillante Aron Keleta. Moos spielt einen reichen gelähmten Menschen, der ständig Fürsorge braucht und Keleta einen lebendigen und ungestümen Afrikaner, der zum Pfleger und Betreuer von Moos wird. Glänzende Dialoge und mehr Einfühlsamkeit als im Film, der manchmal etwas konstruriert und schlecht geschnitten wirkt. Es spielen noch ein paar mehr Schauspielerinnen mit, unter der Regie von Nils Daniel Finckh sind es die Hauptfiguren, die alles herausreißen. So muß Theater sein, so macht es Spaß. Nicht verkopft sondern mit beiden Beinen auf den Füßen. Beim Vorhang steht Moos wie durch ein Wunder aus seinem Rollstuhl auf.

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Hauptsache Arbeit

So ist ein Theaterstück betitelt, das Sibylle Berg geschrieben hat und vom Verein komitee komplett im Sozialkaufhaus der Caritas in Stuttgart-Feuerbach in Szene gesetzt wurde. Regie führte Wilfried Alt vom Theater der Altstadt. Er war der einzige Hauptamtliche bei der ganzen Sache, alle anderen, die Schauspielerinnen und alle im Verein, arbeiten ehrenamtlich.

Das Stück ist ein ätzender Abgesang auf Unternehmen, die keinerlei Existenz-Berechtigung haben, oder anders gesagt beim Stück werden die Opfer des Kapitalismus ausgespuckt. Männer und Frauen mitsamt dem bescheuerten Vorgesetzten treffen sich auf einem Schiff zur Betriebsfeier. Dort geht es dann immer mehr ans Eingemachte. Drei weibliche Ratten in Militärhosen begleiten das ganze perverse Treiben. Dann tritt die Oberratte Frank Schäfer in Aktion, ein äußerst erfolgreicher Antreiber der Meute, der natürlich im Geld schwimmt wegen seines Gehampels vor Versicherungsfritzen. Im Laufe des Abends entblösen sich die Angestellten immer mehr und das Ganze wird immer zynischer und menschenverachtender. Zum Schluß stirbt der Vorgesetzte.

Im Anschluß ist es beim komitee komplett Tradition, daß die Zuschauerinnen bei einem Glas mit den Darstellerinnen und den Macherinnen ins Gespräch kommen. Heike Bonilla Torres, die Vorsitzende des Vereins, war da sehr eifrig beim gegenseitigen Vorstellen.

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Die Legende vom heiligen Trinker

Die Regisseurin Silvia Armbruster hat diese Geschichte von Joseph Roth dem aus Wien stammenden Ernst Konarek mitsamt Lisa Wildmann und Wolfgang Seidenberg auf den Leib interpretiert. Es geht um den Lebensabend des obdachlosen Bergarbeiters Andreas, der in Paris gelandet ist und immer wieder unverhofft zu Geld kommt. Das vertrinkt er, vergnügt sich mit Frauen und trifft ehemalige Freunde. Anfangs wird er verpflichtet, die 200 Francs der heiligen Therese in einer Kirche zurückzugeben, was nach einigen Versuchen immer wieder scheitert. Zum Schluß stirbt Andreas. Ein schönes, leises Stück, das mit wenig Aufwand einem das Herz aufgehen läßt.

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Der Gott des Gemetzels

In diesem Stück fliegen wahrlich die Fetzen. Zwei Ehepaare zoffen sich in diesem Stück von Yasmina Reza bis aufs Blut. Anlaß ist die Zusammenkunft der Vier, da der eine Sohn dem anderen zwei Schneidezähne ausgeschlagen hatte. Alle sind ach so zivilisiert, die Eine schreibt ein Buch über den Völkermord im Sudan, der Andere hat einen Fall vor dem internationalen Gerichtshof. Die Andere reihert über den Francis Bacon-Katalog von 1962, der leider vergriffen ist. Dann fliegen noch die Blumen in die Luft und ein Tragbares (Telefon) wird in der Blumenvase versenkt. Ein gefundenes Fressen für alle Choleriker. Schauplatz (Bühne und Kostüm von Gudrun Schretzmeier) ist der piekfeine und supermoderne Laden eines Klohändlers, der der Vater des Täters ist. Die Uraufführung dieses Stücks fand in Zürich statt, das viel gespielte Stück wurde auch von Roman Polanski verfilmt, dies mit mäßigem Erfolg. Die Version von den vier Schauspielerinnen des Theaterhauses unter der Regie von Werner Schretzmeier ist allerdings eine Spur verschärft. Als Werbegeschenk bekommen die Zuschauerinnen Antril verabreicht, ein erfundenes Medikament, das eine tragende Rolle im Stück spielt.

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Familie Flöz

Hierbei handelt es sich nicht um miteinander Verwandte, sondern eine Truppe Schauspielerinnen aus Berlin. Unterstützt vom Stuttgarter Theaterhaus haben diese ein beeindruckendes Maskentheater entwickelt. Bisher gab es vier gemeinsame Produktionen: Ristorante Immortale, Teatro Delusio, Hotel Paradiso und Infinita. Das Besondere bei der ganzen Sache ist, daß die Darstellerinnen kein Wort sprechen. Allein durch ihre Gestik und unterlegt mit Geräuschen und Musik zaubern diese einen ganzen Kosmos an unterschiedlichsten Gefühlen hin. Die Stücke sind sehr kurzweilig, es gibt genügend Platz für Situationskomik. Der Intendant des Theaterhauses, Werner Schretzmeier, will die Flözer in absehbarer Zeit als dritte feste Truppe an die Stuttgarter Kulturfabrik binden, neben dem internationalen Schauspielensemble und der Tanzkompanie von Eric Gauthier. Dieses Maskentheater erfreut sich großer Beliebtheit beim Publikum, die Veranstaltungen sind gut besucht und oft ausverkauft.

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