30. Internationale Theaterhaus Jazztage

Wie jedes Jahr hies es auch diesmal zum 30. Mal an Ostern: das Theaterhaus stand ganz im Zeichen des Jazz. Großartige Musikerinnen gaben sich über 7 Tage die Klinke in die Hand, teilweise in drei Hallen gleichzeitig. Der Buchdeckel des Festivals waren diesmal das Sängerqartett Manhattan Transfer aus den Staaten (20 Grammies) und zum Abschluß der Trompeter Till Brönner mit seiner Gruppe. Zwischendrin gab es für jeden Geschmack etwas. Filme, Gedichte, Tanz, Rezitation und natürlich jede Menge Jazz mit verschiedenen Einsprengseln.

Deutschlands Oberbassist Dieter Ilg aus Freiburg mit einem wunderbar eingespielten und hochkarätig besetzten Quintett eröffnete vor 400 Gästen in T2 den zweiten Tag. Danach dann ein Quartett um den Überflieger Andreas Schaerer aus der Schweiz, der jeden Mundperkussionisten alt aussehen läßt. Lucas Niggli, einer der vielfältigsten Schlagzeuger auch aus der Schweiz begleitete mit dem Rekkordknopfakkordeonisten Luciano Biondini aus Italien. Ergänzt um den finnischen Gitarristen Kalle Kalima.

Am Tag danach spielte ein achtköpfige Truppe aus den Alpen (Schweiz, Österreich und Bayern) ein umjubeltes Konzert in T1. Diese Truppe trat zum wohl letzten Mal gemeinsam auf. Sie eroberten die Herzen der Stuttgarterinnen im Sturm. Parallel zum Alpenjazz spielten Michael Wollny, der Jazzprofessor und Wolfgang Haffner, Deutschlands Topschlagzeuger in der T2, gefolgt vom mäandernden Nik Bärtsch aus Zürich mit seiner Formation Ronin.

Am Ostersamstag wurde der Geburtstag des Ulmer Trompeter und Sprechgesangmensch Joo Kraus gefeiert mit dem James Brown-Saxophonisten Pee Wee Ellis und Streicherinnen. Ein britischen Abend lieferten parallel dazu in T3 Soweto Kinch und Neil Cowley ab, beide mit einem Trio. Die Musiker beherrschten ihre Instrumente.

Ostersonntag dann der Höhepunkt: der Leipziger Jazzprofessor Richie Beirach aus New York am Klavier mit Gregor Hübner an der Geige (beide haben eine Grammy-Nominierung zusammen), Veit Hübner Bass, Randy Brecker Trompete und Michael Kersting Schlagzeug. Richie spielt vertrackte Melodien und schnelle Läufe, da kommt nicht jeder mit. Das Quintett gibt sich jedes Jahr im Birdland in New York eine Woche lang die Ehre, dann allerdings mit George Mraz Bass und Billy Hart Schlagzeug. Davon gibt es jetzt eine wunderschöne Kostprobe auf einer neuen ACT-Veröffentlichung (Deutschlands größter Jazzverlag nach ECM). Auch der Auftritt des Tomasz Stanko-Quartet war oberste Sahne. Tomasz ist der größte lebende Musiker Polens.

Ostermontag dann zwei Holländer mit ihren Gruppen. Zuerst der Oberlyriker am Flügelhorn Ack van Rooyen (85 Jahre) und der Tastenderwisch Jasper van t’Hof mit Anklängen an seine Afrikatruppe Pili Pili mit der Gründersängerin Angelique Kidjo (Benin), zwei Grammies und wichtigste Sängerin Afrikas. Sehr beeindruckend, obwohl sie erst nach vier Stücken auf die Bühne durfte und als zweite Zugabe mit einer Eigenkomposition die Jazzerinnen im Publikum allesamt zum Tanzen brachte.

Der Theaterhaus-Intendant Werner Schretzmeier hat wieder einmal ein bezauberndes Programm zusammengestellt, und das innerhalb kurzer Zeit und alle sind sie gekommen. Insgesamt 7500 Besucherinnen, die üblichen Privatsponsoren Mercedes-Benz Bank und Imak (Heinz Frank, enger Freund des Hauses und Vorsitzender des Theaterhaus-Fördervereins) waren wieder mit von der Partie. 2018 geht es weiter, zwei Festivals mußten seither wegen fehlenden Geldes abgesagt werden.

 

 

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Unerkannte Heldinnen

Derzeit im Kino der Autorenfilm von Theodire Melfi mit dem aus dem Englischen übersetzten Titel: versteckte Figuren. Es geht hier um eine Episode in den 60er Jahren, als drei beispielhaft ausgewählte Mathematikerinnen die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA umkrempeln, den Sowjetrussen ein Schnippchen schlagen und letztendlich dafür sorgen, daß die Vereinigten Staaten auf dem Mond landen. Aufregend dabei die Abenteuer, die die drei Frauen wegen ihrer Hautfarbe überwinden müssen. Denn sie sind Afroamerikanerinnen und als solche in der Machohochburg NASA mit dem Leiter, den Kevin Costner spielt, unerwünscht. So muß die Hauptdarstellerin für jeden Toilettengang 40 Minuten aufbringen, da sie in ein Nachbargebäude rennen muß, in dem es erlaubt ist, als braunhäutiger Mensch auf das Örtchen zu sitzen.

Nicht nur wurden die Afrikanerinnen ihrer Heimat beraubt, um im glücklichen Fall, die Überfahrt zu überleben, und Sklavin zu werden, jede Menge Haß der Rassistinnen ertragen zu müssen. Nein, mit der Hackordnung rosahäutiger Mann, rosahäutige Frau, braunhäutiger Mann , braunhäutige Frau ist es logisch, daß die Leistung der Nachfahren der Sklavinnen ignoriert werden und diese das Nachsehen haben bis heute. Die Rassentrennung wurde erfunden und die Bürgerrechtsbewegung hat diese dann offiziell beendet, wirklich jedoch nie aus den Köpfen der Regierenden herausgebracht. Mitproduziert hat den Film der glückliche Pharell Williams, der auch mit Hans Zimmer für die Musik des Films verantwortlich zeichnet. So strahlt der Streifen jede Menge Hoffnung aus, denn Glücklichsein ist die Wahrheit.

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Martin Schulz

Bis vor wenigen Monaten kannte ihn keine in Deutschland: den Heiligen Martin, der bekanntlich als Reicher seinen Mantel in zwei Teile teilte und die ein Hälfte einem Frierenden schenkte. Der neue Parteivorsitzende der SPD und wohl auch Nachfolger von Angela Merkel (CDU) will jede mitnehmen, auch die die abgehängt wurden. Martin reist in der ganzen Republik umher um mit den einfachen Leuten in Kontakt zu treten. Mit seiner Biographie hat er dafür gesorgt, daß die SPD wieder nach langen Durstjahren so beliebt ist wie unter der Schröder/Fischer-Regierung (Rotgrün). Das war ein brillanter Schachzug von Sigmar Gabriel eben gerade diesen Mann an die Spitze seiner Partei zu setzen. Die Umfragewerte schnellten nach oben und 13.000 Menschen sind deswegen neu in die SPD eingetreten.

Es könnte für Rotrosagrün langen, Martin ist im Gegensatz zu Sigmar kein Gegner dieses Bündnisses, das mittlerweile in Thüringen und Berlin praktiziert wird. Erleichternd ist auch die Erkenntnis, daß die Person Martin Schulz dafür gesorgt hat, daß der Albtraum für Deutschland AfD bedeutend an Wählerinnenzuspruch verloren hat. Für die Partei der Bündnisgrünen, die im Übrigen von Joschka Fischer kaputt gemacht wurde, wäre es eine letzte Chance, im Lager links von der Mitte zu bleiben und nicht dem dämlichen Modell zu folgen, das derzeit in Baden-Württemberg regiert. Stoßen wir mit einem Glas Leitungswasser darauf an, daß die CDU in die Opposition abwandert und dort auch lange Jahre bleibt. Die Bundestagswahl ist am 24. September 2017, dranbleiben!

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Das Klugfon

Jede hat es, jede braucht es: das tragbare Telefon, das auch noch klug ist. Jedenfalls klüger, als manche sich zugestehen. Das geht soweit, daß mensch wischend und tastend mit dem Ding auf dem Gehweg als Fußgänger umherrennt und im Auto als Verkehrsteilnehmer umherfährt, ohne die Umwelt mehr wahr zu nehmen. Das produziert natürlich jede Menge Tote. Unschuldige, die zusammengefahren werden. Jede macht mit, wer kein Klugfon hat, wird ausgegrenzt. Es ist auch unfaßbar, daß sich heute noch Menschen bewußt kein solches Teil zulegen.

Natürlich macht das Ding süchtig, natürlich ist es sackteuer. Abgesehen davon, daß die seltenen Erden, die jedes dieser Teile benötigt im Ostkongo von Kindersklaven ausgegraben werden. Bricht sich ein Kind den Fuß, wird es liegen gelassen und es stirbt. Ein neues Kind zu beschaffen, kostet ja nichts. Sind ja auch nur Afrikanerinnen, was regen wir uns künstlich auf. Die haben halt die falsche Hautfarbe und sind weniger Wert als ein Meerschweinchen.

Die Flucht vor Krieg hat durch das Klugfon eine völlig neue Qualität gewonnen. Fluchtwege und Schleuserinnen können dadurch schnell herausgefunden werden. Noch nie gab es so viele Flüchtlinge auf dem Planeten wie heute. Ohne das elektronische Teil in den Händen all dieser Menschen wäre die Zahl wohl kleiner. Das  Zwischennetz fordert hier seine Opfer.

 

 

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art Karlsruhe

Über vier Tage im Februar 2017 hieß es erneut: eine große Ansammlung bester Kunst in vier Hallen. Sammler hatten eine wahre Freunde. Alle ausstellenden Galerien auf dieser Kunstmesse hatten passable Werke Gegenwartskunst zu bieten, hauptsächlich Gemälde, aber auch vereinzelt Objekte. Menschen, die ihr überflüssiges Geld anlegen wollen, fanden hier immer für jeden Geschmack etwas.

Um mit dem Namentropfen zu beginnen: der Geiger, Hollywood-Schauspieler und Künstler Armin Müller-Stahl präsentierte bunte Werke mit politischen Anspruch, eine Entdeckung. Gegenwartsüberflieger wie Jonathan Meese, der hier auch einen Preis bekam und Markus Lüpertz, Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie, beispielsweise wurden gehandelt. Selbst Drucke von Picasso, KRH Sonderborg und A.R.Penck wurden präsentiert.

Das Meiste war jedoch Konfektionsware, einige Galerien hatten noch die gleichen Bilder gehängt wie schon bei den letzten Messen in Karlsruhe. Selbst eine Radierung von Manet aus dem Jahre 1865 gab es zu sehen. Ebenso wie bei der Art Cologne sieht mensch hier eine Fülle von Werken, die jede kuratierte Ausstellung erschaudern läßt. Einen Tagesausflug lohnt diese Kunstschau allemal, wer flüchtig alles Abschreiten will, benötigt vier Stunden.

 

 

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