Sven Giegold

Die Fellbacher Grünen hatten geladen und es kamen 70 Menschen in den großen Saal des Rathauses, dort wo alle 4 Wochen der Gemeinderat tagt. Redner war der Gründer der deutschen attac-Sektion. Angefangen hatte diese Nichtregierungsorganisation in Paris, der Chefredakteur der Monatszeitung ‚le monde diplomatique‘ hatte sie ins Leben gerufen, ursprünglich ging es um finanzielle Erdgerechtigkeit. Sven hatte sich mit dreizehn Jahren bereits für Wildtiere eingesetzt, dann Wirtschaftswissenschaften studiert und sitzt nun schon seit längerem als Grüner im Europaparlament. Mit dem Ruhestand von Daniel Cohn-Bendit, dem ehemaligen Fraktionsvorsitzenden, wurde Giegold bekanntestes Gesicht der Fraktion. Früher bei attac hat er mit seinen flammenden Reden das Herz eines jeden Erdpolitikkritisierers erwärmt.

Kein Wort zum Nahen Osten, der sein Chaos Europa zu verdanken hat, kein Wort zum Trumpeltier. Gut, er erwähnt den ungerechten Handel mit Afrika, der den Kleinbauern dort alles kaputt macht. Es geht viel um Ökologie, nicht um Soziales und Kultur. Interessant wäre gewesen zu wissen, was er mit dem fünfstelligen Betrag anstellt, den er monatlich einfährt. In Brüssel gibt es 1500 Vorhallenmenschen zum Thema Finanzen, davon sind lediglich dreißig nicht für die Industrie, sondern für Nichtregierungsorgansationen tätig.

Im Publikum saßen Einer von der SPD, zwei von attac Fellbach, 4 von den Linken und ein paar Grüne. Die konservative Fraktion war komplett abwesend. Sven ist schon sachkundig, aber einiges wirkt doch hölzern, nun gut, er darf es sich auch nicht mit einer Partei verscherzen, in der die Brutalos regieren.

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Euroballaballa

Nun haben wir es also überstanden und der rote Riese ist Fußballeuropameister 2016. Mit 6 Unentschieden und dem dritten Platz in der Vorrunde in ihrer Gruppe. Schön ist allerdings, daß die Portugiesen ihren ersten Titel erkämpft und nicht erspielt haben. Die allermeisten Balltretereien in Frankreich waren gähnend langweilig, weil sich alle 32 qualifizierten Mannschaften auf ihren einzelnen Positionen versteckt hatten. Einmal fielen sogar 7 Tore in einem Spiel, sensationell! Das war Rekord bei dieser Europameisterschaft.

Mensch spricht ja immer von den Millionären auf dem Rasen. Allerdings haben die keinen Beruf erlernt und müssen nach dem Ende ihrer Laufbahn neu anfangen, mit einem verkrüppelten Körper. Und die vielen Aufputschmittel sind langfristig auch nicht gut für deren Gesundheit.

Der Zar und der Sultan sind ausgeschieden in der Vorrunde. Das Imperium der Themseliesel wurde von den Wikingern in die Wüste geschickt, kurz nachdem sie den Austritt aus der Europäischen Union beschlossen hatten.

Europa, das seit dem Kolonialismus und den Weltkriegen vom Süden des Planeten lebt und nichts beigetragen hat zum Weltfrieden, sondern Zerfetzungsmaschinen herstellt und exportiert, ist dermaßen heruntergekommen. Der Abschied von der Weltbühne dieses arroganten Kontinents ist beschlossene Sache, das merkte mensch auch bei diesem vergangenen Wettbewerb. Nur Einwanderer aus den Kolonien haben buchstäblich Farbe hineingebracht in die Spiele.

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Ströme

Selbst in fortschrittlichen Sendern wird immer wieder von den Flüchtlingsströmen gelabert. Keine macht sich Gedanken über so eine unsinnige Formulierung, die natürlich den Flüchtlingsgegnerinnen in die Hände spielt. Jetzt einmal vernünftig: wenn ein Mensch einen Wassertropfen darstellt, sind 1 Million kein Strom, sondern ein Rinnsal, bestenfalls ein Bach. Der Nil oder der Amazonas sind Ströme, und diese bringen Leben, ebeso wie die über die Grenzen Flüchtenden.

Es wird über Abschottung der Grenzen gefaselt aus Phantasielosigkeit. Als Europa den Süden bestohlen hatte und dies immer noch tut, wurden die Grenzen offen gehalten, sonst hätte ja die Ausplünderung ganzer Kontinente nicht funktioniert. Und daß die Menschen vor unseren Waffen fliehen, die wir ihren Peinigern geliefert haben, interessiert wohl auch niemanden. Eine Partei, die die Finger hier in die Wunden legt, bekam letzten Sonntag 3 % der abgegebenen Stimmen.

Unsäglich auch das Wort Zuwanderung. Dieses wurde von Edmund Stoiber erfunden und der CSU durchgesetzt. Niemand redet mehr von Einwanderung, nein Zuwanderung ist besser, da hier leichter abgeschoben werden kann, oder ausgeschafft, wie mensch in der Schweiz sagt. Der große Kabarettist Volker Pispers hat bei seinem letzten Auftritt im Theaterhaus folgendes eingeworfen: die Deutschen haben 22 Milliarden Euro aus den Sozialkassen genommen, die Einwanderinnen im gleichen Zeitraum einen Überschuß von 22 Milliarden Euro in die Sozialkassen eingezahlt. Daß dies kein Wohlstand ist, den wir uns erarbeitet haben, sondern einer, den wir den Schwächeren geklaut haben, ist also Tatsache.

Jede soll das Recht haben, dort auf dem Planeten zu wohnen, wo sie will. Keine verläßt gerne ihre Heimat, nur im Notfall. Und so muß es auch möglich sein, daß eine Flüchtende in ein Flugzeug steigen darf, um überall hinzufliegen. Das würde sie ein paar hundert Euro kosten und nicht 10.000 Euro, die der Schlepper haben will, der mit diesem Geld die Kriege aufrecht erhält und sich damit Waffen kauft. Und die vielen Toten auf den Flüchtlingswegen wären Geschichte. Womöglich kämen dann wesentlich weniger Menschen zu uns, und die sogenannte Flüchtlingskrise hätte sich erledigt, die ja in Wahrheit eine Krise des Konservatismus ist.

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Landtagswahl 2016

Am 13. März wird in Baden-Württemberg die CDU weniger Stimmen bekommen als die Grünen, die SPD schwächer als die Faschistinnen von der AfD, die Linkspartei kommt rein (über die 5-Prozent-Hürde) und die FDP fällt heraus.

Zum Faschismus: der Albtraum für Deutschland (kurz AfD) wird uns wohl noch Jahre über bleiben, da ebenso wie der Front National in Frankreich und andere rechtsextreme Parteien in Europa vom Zaren Putin finanziert, um Europa kaputt zu machen und seine Macht zu vergrößern. Zugegeben, in Brüssel und Straßburg wird zu einem großen Teil eine rassistische Politik verabschiedet, aber was ist die Alternative zur Europäischen Union? Auf alle Fälle keine dumpfen Sprechblasen, die vielleicht Schick sind, aber niemanden weiterbringen, bis auf wenige Personen, die damit Millionen im Schlaf erwirtschaften.

Nichtwählen ist eine weitere Möglichkeit um den Reichen zu zeigen, daß wir sie nicht haben wollen. Allerdings: jede nicht abgegebene Stimme unterstützt die Faschistinnen in ihrem Haß. 300 Stimmen mehr für Al Gore im Jahre 2000  in Florida und George Walker Bush wäre nicht Präsident geworden, das bedeutet: kein dritter Golfkrieg im Irak, keine Invasion in Afghanistan.

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Kommentar 29.10.10

Europa

Dieser Kontinent verabschiedet sich langsam aber sicher von der politischen Landkarte. Nach jahrhundertelanger Unterdrückung und Ausbeutung der Kolonialstaaten in Lateinamerika, Afrika und Asien und den beiden von Europäern angezettelten Weltkriegen zerfällt Europa immer mehr in Kleinstaaten und wird von den Konservativen mit ihrer engstirnigen Nationalstaaterei immer mehr in die Bedeutungslosigkeit getrieben. Wenn ein Kons sich als Europäer bezeichnet, ist dies schon ein enormer Fortschritt. Weltbürger will dieser aber nicht sein. Der unterdrückte Süden emanzipiert sich und befreit sich durch Rückbesinnung auf seine Traditionen aus den Klauen der erdumspannenden Konzerne europäischer Herkunft. Der Klimagipfel in Kopenhagen wurde ohne Europa beendet, die sich für Ökologie stark machten, aber an der Zersplitterung scheiterten. Die Vereinigten Staaten von Europa liegen in weiter Ferne, die Erdmacht USA hat schon vor langer Zeit ihre Einheit vollzogen. Die Europäische Union versumpft in ihrer Bürokratie und spricht grundsätzlich mit mehreren Stimmen. Von wegen mächtigste Frau der Welt und so. Da machen uns die Chinesen mit ihrer Wirtschaftsdiktatur was vor. Auf der Strecke bleibt die Demokratie, so wie sie in der Gegenwart noch existiert. Sie erweist sich zusehends als Hindernis bei guten Entscheidungen und die Dumpfbacken von der faschistischen Fraktion ziehen wieder in die Regierungen ein. Die Lösung liegt bei der Zivilgesellschaft, die in mehreren Prozessen Radikaldemokratie auf der ganzen Erde durchsetzen wird, innerhalb und außerhalb der Parlamente. Nur kommt das nicht von alleine und bedeutet eine Menge Arbeit.

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