Manu Dibango 1934-2020

Portrait von Manu Dibango (Grunbach, amokfisch 1985)

Im Alter von 86 Jahren ist vor einer Woche der größte Musiker Afrikas in Paris verschieden. Manu Dibango war der erste berühmte Corona-Tote auf unserem Planeten. Natürlich gab es Om Kalthoum, Miriam Makeba, Hugh Masekela, Fela Kuti, Franco und gibt es Salif Keita, Angelique Kidjo und Youssou N’Dour. Aber der Saxophonist, Vibraphonist, Sänger, Grupenleiter, Arrangeur und Komponist war schon etwas Besonderes. Er umzäunte musikalisch einen Bereich zwischen Jazz, Funk und Pop. Berühmt wurde er mit dem Douala-Tanz Makossa, den er über die Jahrzehnte immer wieder neu aufnahm.

Er stammte aus der kamerunischen Hafenstadt Douala und lebte seid langem in Paris, wo er die Rolle des Vaters für alle gestrandeten afrikanischen Musikerinnen ausübte. Mit dem südafrikanischen Trompeter Hugh Masekela (Don’t go loose it baby, Ehemann von Miriam Makeba (Pata, Pata)) teilte er sich eine Wohnung in New York. Sein letztes Konzert in Stuttgart gab er vor vier Jahren auf dem Sommerfestival der Kulturen mit einer kleineren Gruppe. Das war natürlich der Höhepunkt, die Stuttgarterinnen tobten.

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Doppelkonzert

Bei der 34en Ausgabe des Festivals Jazz d’or spielten zwei Giganten des Jazz auf, beide schon über die 70. Eröffnet wurde das Konzert am 14. November 2019 in der Offenburger Reithalle vom größten lebenden Klavierspieler Europas: Joachim Kühn. Er spielte allein ausschließlich Stücke von Ornette Coleman, dem er lange Jahre eng verbunden war, der Tod des Autodidakten am Altsaxophon stellte hier einen harten Schnitt dar. Passend zu seiner aktuellen Scheibe wirbelte Kühn auf den Tasten herum, daß es wie immer eine Freude war zuzuhören. Er war auch denkbar gut gelaunt an dem Abend.

Nach einer guten Stunde und der Pause danach spielte das Henri Texier Quintet zum Album ‚Sand Woman‘ auf. Kontrabassist und Komponist Texier ist der größte lebende Musiker auf dem Planeten. Er versteht es wie kein anderer die Musik von bedrohten Völkern in den Jazz einzugliedern. Beim Quintett mit dabei: Sohn Sebastien Texier (as,cl), Vincent Le Quang (ts,ss), Manu Codjia (g) und Gautier Garrigue (dr). Die Gruppe begann mit einem fulminanten Solo des Anführers. Auch dieses Konzert war von höchster Güte und auch hier waren alle bestens gelaunt.

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Jazz@large 2018

Wie schon in den letzten Jahren hat der Jazzschlagzeuger Hans Fickelscher eine Großformation mit herausragenden Musikerinnen aus der Region Stuttgart zusammengestellt als Abschlußkonzert der 39. Jazztage der IG Jazz, die diesmal zum ersten Mal komplett im Theaterhaus abgewickelt wurden. Sonst gastierte mensch im Merlin, der Strippenzieher Magnus Mehl hat das kleine lokale Stuttgarter Festival an seinen Lieblingsort befohlen. Der Zuhörerinnenzuspruch war enorm, das Konzept ging auf. Während gleichzeitig Anfang November in den Büros nebenan am Programm für die kommenden internationalen Theaterhaus Jazztage an Ostern 2019 gefeilt wurde, tobte beim Abschlußkonzert von Jazz@large der Bär.

20 Musiker und zwei Sängerinnen auf der Bühne, wie immer keine Big Band, sondern mit ausgefallenen Instrumenten wie Akkordeon, Gitarre und einem beachtlichen Streichquartett bestehend aus Kontrabaß, Cello, Bratsche und Geige. In der klassischen Musik üblich sind ja zwei Geigen, Bratsche und Cello. Einzellne herausragende Musikerinnen des Ensembles steuerten spezielle Kompositionen bei. Das war bombastisch und auch die vielen Einzelspieler beeindruckten. Der Kopf des ganzen Hans Fickelscher wird am Sonntag, 18. November von 21 bis 23 Uhr in meiner Sendung „die Fellbächerin“ zu Gast sein.

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Köln

Die Millionenstadt am Rhein bietet allerlei kulturelle Besonderheiten. Steigt Mensch aus dem Zug, steht sie direkt vor dem riesigen Dom. Daneben befindet sich das Ludwig-Museum, das eine beeindruckende Schau von Kunst aus dem 20.Jahrhundert bietet. Die aktuelle Ausstellung dort ist ist einer Koreanerin gewidmet, die bei der zweitwichtigsten Kunstmesse einen Preis über 100.000 Euro erhalten hat. Und die ständige Hängung bietet einen Pablo Picasso- und einen Joseph Beuys-Raum. Viele Meisterwerke sind zu sehen, auch ein Willi Baumeister, alle Künstlerinnen dort sind durchgeknallt, ohne das hätten sie nicht so bedeutende Kunstwerke hervorgebracht. Da sieht mensch wieder den Zusammenhang zwischen Genie und Wahnsinn. Neben Ludwig ist auch groß das römisch-germanische Museum, geht jedoch stark in die ferne Vergangenheit. Dann findet sich in der Altstadt noch das Richard-Wallraff-Museum, das die Lücke schließt und Gemälde vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert zeigt. So hängt auch dort ein Vincent van Gogh. Weiter entfernt davon dann das Käthe-Kollwitz-Museum, das der wichigsten deutschen Malerin seinen Tribut zollt. Viele Zeichnungen, Radierungen und Skulpturen hat die Künstlerin geschaffen, allerdings keine Ölgemälde.

In Köln befinden sich auch alte und bedeutende Jazzlokalitäten wie der Stadtgarten (Jazzhaus-Verlag und Tonstudio mit Restaurant und Bühne) und das Loft nicht weit weg davon, wo zeitgenössische und auch experimentelle Musik geboten wird. Und der Saturn am Mediapark führt sämtliche in Deutschland verfügbaren Jazzkompaktscheiben, das gibt es in Deutschland sonst nur in München (Beck am Rathaus) und Berlin (Kulturkaufhaus Dussmann).

Zur Erholung bietet sich noch eine Bank in der Flora an, dem botanischen Garten, der keinen Eintritt verlangt. Dort kommen auch Rotkehlchen ganz nah heran, in der Hoffnung, ein paar Brosamen zu erhaschen.

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Gespräch mit Alexis Schicke

Jazz ist das einzig wirksame Mittel gegen Rassismus

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