Eleanor und Colette

Wieder einmal hat sich die Traumfabrik den Verrückten gewidmet. In diesem ursprünglich 55 Stufen benannten Kinofilm spielt Helena Bonham Carter eine Verrückte und Hilary Swank eine Rechtsanwältin und ehemalige Seelenpflegerin. Beide freunden sich im Lauf der Geschichte an. Es beginnt damit, daß Eleanor 1985 in San Francisco in ein Seelenkrankenhaus verfrachtet wird. Dort wird ihr ungefragt und ohne Arzt eine Spritze verpaßt (die chemische Zwangsjacke) und im Isolationszimmer zurückgelassen ohne Kontakt zu den Pflegerinnen. So muß sie auf den Boden pinkeln. Später ruft sie das Anwaltsbüro an, und Colette kommt und bringt ihren Fall bis vor den obersten Gerichtshof in Kalifornien. Der Fall steht stellvertretend für 150.000 Patientinnen.

Eleanor bekommt zwar Recht, was auch einem Professor zu verdanken ist, den Colette von Anfang an einschaltet, kann sich neue Möbel kaufen, aber sie stirbt bereits im Alter von 47 Jahren an den Folgen der Seelenmedikamente. Beide Schauspielerinnen spielen wunderbar engagiert und produzierten den Film mit. Und die Geschichte ist nicht erfunden.

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volxmusik am Samstag, 4. August 2012

Stuttgarter Gedächtnis
Elke Martin hat jüngst im Peter-Grohmann-Verlag ein Buch zu den Krankenmorden der Nazis 1940/41 in der Region Stuttgart herausgegeben. Heute ist die AnStifterin und Antifaschistin zu Gast bei amokfisch und bringt dazu ihre Lieblingsmusik mit. Mehr zum Thema über www.die-anstifter.de. Die Sendung geht von 19 bis 21 Uhr und es kann ein Mitschnitt bei mir angefordert werden. Ansonsten Antenne 99,2, Kabel 102,1 und Lebendstrom über www.freies-radio.de

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Die eiserne Lady

Die Regisseurin Phyllida Lloyd hat in diesem opulenten Streifen Margaret Thatcher ein Denkmal gesetzt. Meryl Streep ging in der Rolle der Thatcher ganz auf und bekam dafür einen Oscar. Bemerkenswert, daß Thatcher die erste (und leider stockkonservative) Frau an der Spitze einer europäischen Regierung war. Sie führte von 1979 bis 1990 die Geschicke der Briten. Sie zerschlug den Sozialstaat und den Bergbau und verursachte zahlreiche Aufstände der armen Bevölkerung. Trotzdem hielt sie sich so lange an der Spitze, immer umgeben allein von Männern.

Die Krämerstochter Margaret Roberts studiert in Oxford und mischt den Bubenklub im britischen Oberhaus auf. Der Unternehmer Thatcher heiratet sie nach ihrer ersten Kandidatur zum Parlament.

Mittlerweile ist die altersdemente Wittwe ein Schatten ihrer selbst. Im Film unterhält Margaret Thatcher sich immer wieder mit ihrem verstorbenen Mann, den sie noch bei sich wähnt.

 

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Round Midnight

Der nach einer berühmten Komposition von Thelonious Monk benannte Spielfilm des französischen Regisseurs Bertrand Tavernier ist ein Juwel. Der afroamerikanische Tenorsaxophonist Dexter Gordon spielte hier den besten Jazzmusiker auf dem Planeten namens Dale Turner, der alkoholkrank und verarmt in Paris strandet und vom Grafiker Francis Paudras aufgeppäpelt wird, gespielt von Francois Cluzet.

Die Geschichte des Films ist den Biographien des Klavierspielers Bud Powell und des Tenorsaxophonisten Lester Young nachempfunden. Beide waren Menschen mit Wahn, beide Afroamerikaner, beide hochbegabt, beide strandeten in Paris, nachdem der Rassismus in den Vereinigten Staaten ihnen an die Substanz ging.

Die Filmmusik wurde vom Klavierspieler und Komponisten Herbie Hancock zusammengestellt, dafür bekam er einen Oscar. Er spielt auch in dem Streifen mit, genauso wie zahllose andere bedeutende Jazzmusikerinnen.

Es ist dies mein Lieblingsfilm, den es nur auf einer holländischen Filmscheibe zu kaufen gibt und der nur ein oder zweimal im Fernsehen gezeigt wurde. Das besondere an dem Film ist auch die Neuheit, daß während der Dreharbeiten die Konzert- und Studiomusik mitgeschnitten und genau so auf zwei Silberlingen veröffentlicht wurde.

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volxmusik am 19.5.12

Diesmal zu Gast war der Verleger Peter Lehmann. In Fellbach aufgewachsen, hat Peter ein bewegtes Leben durchgemacht. Aufenthalt im Seelenkrankenhaus und danach Ablehnung einer Behandlung durch Zwang, Therapie und Medikamente. Peter hat wegen seiner schlechten Erfahrungen den Antipsychiatrieverlag ins Leben gerufen und an die 40 Titel publiziert mit jeweils Tausenderauflagen. Herausragend daraus: ‚Der chemische Knebel‘ über die Seelenindustrie, ‚Statt Psychiatrie 1 und 2‘ über Alternativen in der Behandlung und ‚Psychopharmaka absetzen‘ mit positiven Berichten von Kranken, die erfolgreich ihre Pillen ausgeschlichen haben. Das Seelenkrankenhaus in Heidenheim ist das einzigste in Baden-Württemberg, daß die entsprechenden Menschen für einen Absetzversuch aufnimmt. Der Prozeß des Absetzens ist heikel, da Peter hier von einer Medikamentenabhängigkeit spricht.

Peter hat die Irrenoffensive in Berlin mitgegründet, ebenso das Weglaufhaus dort. Er war im Vorstand des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener und hat ein europäisches Netz aufgebaut. Durch seine Jahrzente währenden Veröffentlichungen bekam er den Ehrendoktor der Universität in Thessaloniki/Griechenland und das Bundesverdienstkreuz. Ich werde Peter zum Stuttgarter Friedenspreis 2013 der AnStifterinnen vorschlagen. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert und wird zum Jahresende bei der Friedensgala im Theaterhaus verliehen.

Sein Verlag ist über www.antipsychiatrieverlag.de und er selbst über www.peter-lehmann.de zu erreichen. Auf Anfrage bei mir schicke ich dir gerne einen Mitschnitt der Sendung auf zwei Hörkompaktscheiben (2 Stunden) kostenlos per Post zu.

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