Kommentar 09.04.10

Der Soldat

Dieses Ostern jährte sich der Marsch für den Frieden zum 50ten Mal. Welcher Mensch will schon Krieg, abgesehen von einer Handvoll sogenannter Politiker. Und natürlich der Soldat, der dafür ausgebildet wird, andere Menschen zu zerfetzen. Nichts anderes bewirken jegliche Waffen, die von den Soldaten auf ihr Gegenüber gerichtet werden. Man kann gut davon leben, sein eigenes Leben in den Dienst beim Militär zu stellen. Im Extremfall wird man verstümmelt oder gar getötet. Das ist dann persönliches Risiko. Bei kriegerischen Handlungen wird immer unterschieden zwischen Opfern unter der Zivilbevölkerung, für die das zynische Wort Kollateralschäden erfunden wurde und eben Opfern unter den Kämpfern. Daß dann der Mensch in Uniform auch ein Mensch ist, der krepiert, wird oft ignoriert. Er muß sich ja nicht zum Kriegsdienst melden. Daß der Krieg dann auch tiefe psychische Wunden in den Soldaten gräbt, wird erst klar, wenn sein Dienst beendet ist. Welche Qualen auf ihn zukommen nach dem Einsatz, ist keinem klar. Das gute Geld lockt und man will ja Aufbauhilfe leisten. Uralt, aber nach wie vor logisch, ist die Forderung, Rüstungsgelder in Entwicklungshilfe umzuwandeln. Wäre dieses realisiert, würden auch die Brandherde bei den Gedemütigten in der sogenannten dritten Welt gelöscht. Und dem Terrorismus würde sein Nährboden entzogen.

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Kairo

Nächstes Jahr sind Präsidentschaftswahlen in Ägypten und die Intellektuellen hoffen, daß die 30jährige Diktatur des mittlerweile 81jährigen Hosni Mubarak beendet wird. Als Hoffnungsträger und Gegenkandidat geht Mohammed El Baradei ins Rennen, er hatte damals als Leiter der internationalen Atomenergiebehörde IAEO im Jahre 2005 den Friedensnobelpreis bekommen. Die Lebensbedingungen in Ägypten sind sehr hart. 40 Prozent der Einwohnerinnen müssen mit einem Euro täglich auskommen. Es gibt kein Versammlungsrecht, die oppositionelle Presse ist sehr schwach und Repressionen ausgesetzt. Homosexuelle werden von aus Saudi-Arabien gesteuerten Imamen auf die gleiche Stufe wie Serienmörder gestellt. Sie müssen sich heimlich treffen und ihre sexuelle Veranlagung verschweigen. Frauen, die ohne Verschleierung auf die Straße gehen, müssen damit rechnen, deswegen verprügelt zu werden. Ein großes Problem in diesem Land ist auch die Korruption. Die 20 Millionen Einwohnerinnen machen Kairo zu der Stadt in Afrika, die die größte Umweltverschmutzung aufzuweisen hat. Nicht in Vergessenheit geraten ist auch der Vorgänger von Mubarak, Anwar el Saddat, der Frieden mit Israel geschlossen hatte und wegen seiner Visionen 1981 von Islamisten ermordet wurde.

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Bagdad

In der irakischen Hauptstadt gibt es zur Zeit lediglich ein bespielbares Theater. Eine Schauspielgruppe hat dort ein Stück nach Heiner Müller aufgeführt. Bei den Proben gab es wegen des Regens eine Überschwemmung im Zuschauerraum. 100 Besucher kamen trotz der alltäglichen Schikanen im Straßenverkehr zur Uraufführung. Einer der Schauspieler verdient seinen Lebensunterhalt als Polizist mit 100 Euro Verdienst monatlich. Er ist an einem der 1500 Kontrollpunkte in Bagdad stationiert und hat als Pazifist einen Haß auf diese Tätigkeit mit schußsicherer Weste und Maschinengewehr. Man muß allerdings feststellen, daß diese Kontrollen mehr Sicherheit in den Alltag der Bevölkerung gebracht haben. Die einzigste Spielstätte, die nicht zerbombt wurde, ist das Nationaltheater, das zur Zeit nicht bespielt wird. Es wird gerade renoviert, da es bei den Plünderungen sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Saal faßt 100 Besucher. Das Einzigste, was hier funktioniert, ist die Folklore-Tanz-Truppe, die trotz häufiger Stromabschaltungen fleisig probt, um nationale Tänze einzustudieren. Die Tänzerinnen machen dies im Geheimen, ihre Umgebung darf nichts von dieser Tätigkeit wissen, da sie sonst ausgegrenzt würden.

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Joachim Kühn beim Osterjazz

Der Klavierspieler Joachim Kühn aus Leipzig ist wohl der wichtigste Mensch auf diesem Instrument in Europa. Nun beherrscht er auch das Instrument seines engen Freundes Ornette Coleman, des bedeutendsten lebenden Musikers auf dem Planeten, das Altsaxophon. Nicht zum ersten Mal im Theaterhaus brachte Kühn diesmal sein aktuelles Projekt mit: ‚Out Of The Desert‘. Vier wunderbare Musiker aus der Wüste bereicherten seine Perlen, Funken und Läufe auf dem Klavier. Als da waren am Gumbri Majid Bekkas, Ramon Lopez am Schlagzeug und der Perkussion und die beiden Gnawa-Musiker Abdessadek Bounhar und Rachid El Fadli mit Perkussion und Gesang. Das paßte alles wunderbar zusammen: Bach, Free-Jazz und Marokko. Als Zuhörender fällt man da schnell in Trance, wenn mensch nicht aufpaßt. Ein schöner und versöhnlicher Abschluß des Jazz-Blocks bei den 24. Internationalen Theaterhaus Jazztagen an Ostern 2010. Am Ostermontag wird dann noch Juliette Greco vor über 1000 Menschen singen.

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Riessler-Levy-Matinier beim Osterjazz

Das zweite Konzert am Sonntagabend in T1 bestritt ein Trio, bestehend aus dem deutschen Bassklarinettisten Michael Riessler, dem amerikanischen Mundharmonikabläser und Pianisten Howard Levy und dem Akkordeonisten Jean-Louis Matinier aus Frankreich, alle drei führende Vertreter auf ihren Instrumenten. Als ein hochvirtuoses und präzises Trio, boten sie kammermusikalischen Jazz mit einer Prise Klassik und einer Portion Blues. Manchmal hörte mensch ein ganzes Orchester heraus, selbst wenn einer der drei ein Solo darbot. Aberwitzige Kaskaden folgten auf besinnliche Momente. Erdige Höhenflüge hielten das Publikum in Bann.

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