Pina

Der aktuelle Dokumentarfilm von Wim Wenders wirft ein Licht auf das Wirken der Tänzerin und Choreographin Pina Bausch, die das gigantische Tanztheater in Wuppertal begründete. Bausch war die bedeutendste freie Tänzerin in Deutschland. Tänzerinnen aus ihrer Kompanie geben jeweils in ihrer Muttersprache eine kurze Erinnerung an Bausch vor der Kamera ab. Dazwischen werden Szenen der Aufführungen geschnitten. Solo- und Paartanzaufnahmen gibt es auf der Straße, in der Schwebebahn, im Schwimmbad, am Steinbruch und so weiter. Pina Bausch selbst sieht mensch in ein paar Archivaufnahmen, sie war bei den Dreharbeiten erst kurz vorher verstorben. Die Lichtblicke auf ihr Schaffen machen Lust, eine Aufführung zu besuchen oder in voller Länge im Fernsehen zu bewundern. Erstaunlich auch, was für eine große Menge an Menschen um Bauschs Tanztheater herum und auch die Dokumentation nötig war. Den Film muß mensch wegen der tollen Musik unbedingt im Kino gesehen haben.

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Eine Reise ins Innere des Jazz

Nun also der letzte Tag des 25. Osterjazz im Theaterhaus. 300 Zuhörerinnen lauschten gebannt den letzten drei Gruppen des Festivals (diesmal zum Abschluß nicht parallel zu anderen Auftritten, mensch hatte also nicht die Qual der Wahl).

Den Anfang machte ein Quartett, das schon seit 10 Jahren zusammenspielt: Nils Wogram Root 70. An der Posaune Nils Wogram, der langsam in die Fußstapfen von Albert Mangelsdorff zu treten scheint. Dann noch brilliante weitere drei Stilisten: Hayden Chisholm am Altsaxophon, Matt Penman Bass und am Schlagzeug Jochen Rückert. Die Vier spielten äußerst inspiriert und unaufgeregt. Hier war jeder Ton bestens aufgehoben. Eine glückliche Wahl, die das Festival ungemein bereichert hatte.

Danach dann die französische Saxophonistin Céline Bonacina. Hier schwang die ganze Jazzgeschichte mit, Nguyen Le an der Gitarre kam als vierter Mitstreiter hinzu (neben Elektrobass und Schlagzeug). Es rockte und jede Pore schwingte mit. Sehr gutes Zusammenspiel und viel technisches Können steckten hinter diesem abgerundetem Auftritt. Blues pur eben, wie auch bei Nils Wogram vorher.

Als allerletzte Gruppe dann das Trio um den britischen Klavierspieler Django Bates. Die drei umspielten ausschließlich Kompositionen von Charlie Parker. Ohne Punkt und Komma. Ein hoch virtuoses Zusammenspiel, rund und ohne überflüssige Töne. Mann arbeitete sich unter hohem Einsatz an der Musikliteratur ab, die legendär ist. Wie hieß es doch nach dem viel zu frühen Tod des größten Altsaxophonisten auf dem Planeten: bird lives!

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Danger Of Explosion

Während am vierten Tag des 25. Jazzfestivals im Theaterhaus (Ostersonntag) in der großen Halle mit drei Gruppen der baden-württembergischen Jazzszene gehuldigt wurde, gab sich ein spezielles Trio ein Stock höher ein Stelldichein.

Der Klavierspieler Jasper van’t Hof betätigte sich am elektrischen Tastengerät, das Klavier ließ er links liegen, während das Stimmwunder Greetje Bijma und der Fellbacher Schlagzeuger Hans Fickelscher Akzente setzten. Geboten wurden Stimmungsausflüge nach China, Afrika, zu den amerikanischen Ureinwohnerinnen und nach Frankreich. Aber auch ein Standard wie Stormy Weather wurde eigenwillig ausgedeutet. Es gab ein überwiegend improvisiertes Zusammenspiel.

Danach folgte der Freejazzpionier Peter Brötzmann (Wuppertal) mit dem Chicago Tentet. Eine starke Stunde wurde der Kakophonie gehuldigt, aber es gab auch leise Stellen, an der sich alle zurück nahmen und der Bassist ein Solo spielen konnte. Brötzmann selbst betätigte sich nicht nur am Tenor-, sondern auch am Altsaxophon und der Klarinette. An Instrumentalisten vertreten waren zwei Schlagzeuger, zwei Posaunisten (mit Johannes Bauer), ein Tubist, ein Cello, zwei Saxophonisten (Ken Vandermark und Mats Gustafsson) und der einzigste braunhäutige Musiker des ganzen Festivals: Joe McPhee an der Trompete und Kent Kessler am Bass. Schön, daß es solche kompromisslose Musik noch gibt. Die meisten Zuhörerinnen verharrten jedenfalls bis zum Schluß. Aber dann war es auch gut. Kommentarlos gingen die Musiker von der Bühne.

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Jazz Populaire 2

Nachdem bei den 25. Osterjazztagen die isländische Rockjazzgruppe Mezzoforte am dritten Festivaltag vor über 700 Gästen mächtig eingeheizt haben, gefolgt von der zweiten Generation des United Jazz + Rock Ensemble, begann vor deren Pause ein Stock höher der zweite Block mit populärem Jazz.

Der Gitarrist Nguyen Le brillierte mal wieder wie auch letztes Jahr auf seinem Instrument. Sein Spiel hat etwas asiatisches, was ungeheuer Spaß macht. Die Gruppe Songs Of Freedom, die er diesmal um sich geschart hat, spielte ausschließlich Klassiker der Pop- und Soulgeschichte aus den 70er Jahren, allerdings im improvisierten Gewand mit einer japanischen Sängerin und einer belgischen Rhythmustruppe mit Marimba- bzw. Vibraphon, elektrischem Baß und Schlagzeug. Als Le die Saite brach, spielten letztere Drei dermaßen frische Solos nacheinander, daß Le in aller Ruhe eine neue Saite aufspannen konnte. Dieses Quintett steuerte auf den Höhepunkt des Festivals zu.

Danach folgten vier überragende Musiker aus dem Ländle. Joo Kraus, der Trompeter aus Ulm, traf mal wieder auf das Klaviertrio Tales in Tones, alle drei Landesjazzpreisträger. Ihre gemeinsame Kompaktscheibe ist ganz neu erschienen (“Songs From Neverland”). Die vier spielten ausschließlich Stücke der ersten drei Alben von Michael Jackson. Schön rund und einfühlsam interpretierten sie auf originelle Weise diese Klassiker der Musikgeschichte. Ein gelungener Abschluß am Samstag.

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Trionfante Musica 1

Zum Auftakt des zweiten Tages der 25. Osterjazztage im Theaterhaus vor über 300 Zuhörern präsentierte der Stuttgarter Klavierspieler Patrick Bebelaar mit dem ebenfalls in der Stadt lebenden Trompeter und Maler Herbert Joos und dem amerikanischen Bassisten Joe Fonda ein Feuerwerk an Jazzstilen. Bebelaar versteht es wie kaum ein anderer vom indischen Raga über afrikanische Melodien und karibischen Pfeffer ein äußerst breites Spektrum auf dem Klavier darzubieten. Joos beherrscht einen klaren und stechenden Ton auf seinem Instrument. Sehr ansprechende Kompositionen und Improvisationen wechselten sich ab.

Dann am Karfreitag die zweite Gruppe: nach dreißig Jahren in der ostdeutschen Jazzwerkstatt Peitz gaben sich vier äußerst originelle und allesamt hervorragende Musiker aus der Improvsationszene ein weiteres Stelldichein: Der Klangkünstler Günther Baby Sommer aus Dresden an allerlei Schlagwerk und Schlagzeug, der Bassist Barre Philipps, Trompeter Manfred Schoof und der italienische Überflieger Gianluigi Trovesi am Altsaxophon und Klarinetten. Mann begann mit einer freien Improvisation und kam später in harmelodisches Fahrwasser in den Spuren von Ornette Coleman. Erfrischend und lustig war das Zusammenspiel.

Dann als Abschluß dieses Blocks (es gab auch parallel drei Konzerte aus den Alpen) traten zum ersten Mal die beiden Tastenderwische Iiro Rantala (Trio Toykeät) aus Finnland und Jasper van’t Hof aus Holland aufeinander. An zwei Flügeln von Angesicht zu Angesicht boten sie perlende Läufe, perkussives Gewitter und auch leise Töne. Beide hatten mächtig Spaß und spielten zusammen, als ob sie Zwillingsbrüder wären. Witzig auch die Ansage auf Finnisch und danach in Niederländisch. Aber van t’Hof spricht natürlich perfekt Deutsch und Rantala Englisch… Die Zuhörer waren jedenfalls hin und weg vom Talent der beiden Tastengenies.

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