Ein Mensch, eine Stimme

Nun haben wir also Ende März Landtagswahlen in Baden-Württemberg. Da werden die Karten völlig neu gemischt, oder nicht? Grünrot führt nach den letzten Umfragen knapp vor Schwarzgelb. Und dieses Aufdenkopfstellen jahrzentealter vertrockneter Strukturen im Musterländle, das nicht hochdeutsch kann, ist an sich schon eine Sensation. Die Weltrevolution beginnt nun doch nicht in Waldhausen, sondern in Stuttgart. Das Erdbeben hat Auswirkungen bis nach Berlin, Paris und New York.

Natürlich: es geht um Stuttgart 21. Die Grünen haben sich mit der Beauftragung des Kommunistenfressers Heiner Geißler (bekanntermaßen ehemaliger CDU-Generalsekretär und Schlichter) ein Kuckucksei ins Nest gelegt. Nach dem Abschluß des Medienspektakels sind sie nämlich in den Umfragen abgestürzt. Allein schon eine Sensation ist die Tatsache, daß die attac-Gruppe in Stuttgart anfängt, darüber nachzudenken, Geißler aus ihrer Organisation auszuschließen.

Der sogenannte Widerstand, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, für K 21 zu kämpfen, hat natürlich viel Kreativität und Radikaldemokratie frei gesetzt. Das Schwabenland ist nicht nur der Ausgangspunkt von weltweiten Anstößen wie des Automobils durch Gottlieb Daimler (in Schorndorf geboren) und der Gründung von Hollywood durch den Laupheimer Carl Lämmle, Friedrich Schiller (Marbach), Friedrich Hölderlin (Lauffen), Hermann Hesse (Calw) sondern nun auch einer neuen Protestkultur, die auch durch das Zwischennetz anders gedacht wird.

Natürlich ist es problematisch, daß der Begriff Montagsdemo von einer politischen friedlichen Umwälzung in der DDR geklaut wurde. Und nicht verwunderlich ist auch, daß die Werbeagentur, die die Stuttgart 21-Gegner ausstattet, die Farbe grün als Einheitsfarbe ausgewählt hat. Denn die Partei mit diesem Farbennamen profitiert natürlich immens davon. Nun wird es also ab dem April 2011 nicht mehr heißen: ‚Mappus weg!‘ sondern ‚Kretschmann weg!‘.

Wichtig ist, daß auch du eine gültige Stimme bei der Wahl abgibst. Sonst haben wir amerikanische Verhältnisse. Zur Erinnerung: im Jahr 2000 hat George Walker Bush die Präsidentschaftswahl durch seinen Bruder Jeb gewonnen, der damals in Florida regierte. Nur 300 Stimmen Unterschied gaben damals dort offiziell den Ausschlag für den Texaner. Der Demokrat Al Gore bekam insgesamt 2 Millionen Stimmen mehr, aber durch das Wahlmännersystem gewann trotzdem Bush. Das heißt: jede Stimme zählt. Und wenn dir jemand ins Ohr geflüstert hat, daß man keine Partei wählen kann, die sind doch alle gleich und es ändert sich gar nichts, möchte ich dich beglückwünschen: hier hat wieder die Propaganda der Kons zugeschlagen. Denn jede Wahlenthaltung kommt voll und ganz denen zugute.

Kurz vor der Wahl gastieren die Kabarettisten Gerhard Polt, Georg Schramm und Volker Pispers im Theaterhaus. Alles natürlich schon lange ausverkauft. Aber ich werde Berichte darüber auf diese Seite stellen. Denn das Einzige, was derzeit noch erhellend ist, sind diese Menschen. Wer sich eine Meinung bilden will, ist bei dem ganzen Gesprächskreisgekreische im Fernsehen falsch (abgesehen von der Phoenix-Runde und dem Presseclub in der ARD). Nur die Kabarettisten neutralisieren sich nicht gegenseitig. Bei denen wird man noch am Besten informiert.

amokfisch, Mitglied im ZK der Trollinger-Sozialisten in Fellbach, volxmusik und Jazzfrühstück im Freien Radio für Stuttgart

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Spielzettel 31.12.10

Eröffnungsklingeln mit Monticello vom Monty Alexander (p) Trio

Gianluigi Trovesi (cl) Nonett – Crisbell

Henri Texier (b) Azur Quartet – Laguna Laita

Tomasz Stanko (tp) Septet – Ballada

Paul Bley (p) – Harlem

Joachim Kühn (p) – Refuge

John Zorn (as), George Lewis (tb), Bill Frisell (g) – This I Dig For You

Ornette Coleman (as) Original Quartet – Africa Is The Mirror Of All Colors

Nils Wogram’s (tb) Root 70 – Slow Motion

Samul Nori And Red Sun – No Secrets

BraffOesterRohrer – Amsterdam

David Murray (ts) und Randy Weston (p) – Mbizo

Don Cherry (tp, dous’n’gouni) – Multikulti Soothsayer

Michel Petrucciani (p) – Night Sun In Blois

Miles Davis (tp) – Neo

Regina Carter (viol) – Forever February

Alexandra Lehmler (ss) – Die Welt von unten gesehen

Charles Lloyd (ts) – Hymn To The Mother

Gilad Atzmon (fl,cl) – Orient House

Gianluigi Trovesi Nonet – Orobop

Henri Texier Azur Quartet – Cyclosis

Tomasz Stanko Septet – Night-Time, Daytime Requiem

Warum amokfisch?

Seit 8 Jahren sende ich im Freien Radio für Stuttgart unter diesem Namen, um nicht mit den anderen Armin Fischers verwechselt zu werden. Da gibt es den Klavierkabarettisten, den Jazz-Schlagzeuger, den Fußball-Torwart und so weiter. Amok war mein Rufname in unserer ehemaligen Wohngemeinschaft bei Freiburg. Die anderen drei dort waren Dauerzuschauer von Raumschiff Enterprise und da gibt es ja die Klingonen, Außerirdische, deren Name alle mit -ok enden. So wurde aus dem Schwaben Armin eben Amok. Und da es ja keine amoklaufenden Fische gibt, kam noch der Zusatz aus meinem Nachnamen dazu. Alles hat also nichts mit Winnenden zu tun, auch wenn ich da 6 Monate gelebt habe. Keine Angst, ich bin nicht gefährlich. Das größte Verbrechen, das ich begangen hatte, war das Engagement eines Jazzquartetts bei meiner Diplomfeier: damals mußte ich 50 DM zahlen, da eine Nachbarin die Polizei alarmierte.

Etikett/en:

Spielzettel 17.12.10

Eröffnungsklingeln mit Monticello vom Monty Alexander (p) Trio

Sonny Clark (p) – Minor Meeting

Richard ‚Groove‘ Holmes (org) – Down Home Funk

Blue Box – Black Fuzz

Oregon mit Paul Bley (p) – Icarus

Joey Baron (dr) – Junior

Gilad Atzmon (ss,as,cl,fl) – La cote mediterranee; Dal’ouna On The Return; Al-Quds; Jenin; Ouz

James Carter (ss,ts) – Tricotism

Jonny Hodges (as) – Squaty Roo

Kompaktscheibe der Woche: Gilad Atzmon & The Orient House Ensemble: Exile (enja 2003) mit Gilad Atzmon (ss,as,cl,fl), Frank Harrison (p), Yaron Stavi (b), Asaf Sirkis (dr,perc), Romano Viazzani/Koby Osraelite/Peter Watson (acc), Marcel Mamaliga (viol), Gabi Fortuna (fl), Dhafer Youssef (oud,voc), Reem Kelani (voc)

Kommentar 17.12.10

Die Post

Wie so viele Staatsbetriebe wurde auch die Bundespost privatisiert. Die Folgen sind die Schließung von immer mehr Postämtern. Diese werden durch kleine Postfilialen in Läden ersetzt. Und christliche Gewerkschaften verlieren ihre Berechtigung, weil sie von den Arbeitgeberinnen gegründet wurden, um die Löhne bei den Privatbriefzustellfirmen zu drücken. Diese sind meistens Zeitungskonzernen angegliedert. Der oberste Vertreter dieser Zunft ist übrigens der ehemalige Minister und ehemalige Arbeitsamtsvorsitzende Florian Gerster (SPD). Früher gab es den Spruch: ‚Wer nichts schafft und wer nichts kann, geht zur Post und Bundesbahn‘. Format bewies einzig und allein der Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling (CDU), der wegen der Untätigkeit seiner Regierung angesichts des Bosnienkriegs 1993 von seinem Posten zurücktrat. Na ja, seine Batteriefirma wirft ja auch Gewinn ab…

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