Das WERK
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Der Bildhauer und Kunsterzieher Wolfram Isele hatte im Stuttgarter Osten ein bundesweit einmaliges Projekt konzipiert und geleitet: das WERK. Von 1982 bis 2000 stand es für KunstWERK, GeWERKschaft, WERKstatt. Hier wurden partizipatorische Kunstprojekte, gewerkschaftlicher Alltag und Stadtteilarbeit realisiert. Nun erschien im Peter-Grohmann-Verlag ein gut lesbares, mit vielen Fotos ausgestattetes Buch zu dieser Geschichte. Bekannteste Ergebnisse aus dieser Arbeit waren der Kinderzirkus Karamba Basta!, der als Verein heute noch existiert und die Stuttgarter Osten Lokalzeitung (1988 bis 1999). Weitere Projekte waren der Einsatz für den Friedensbrunnen, der leider wegen des Widerstands der Bezirks-CDU nie realisiert werden konnte, die Gruppe Alltag und Arbeitswelt, das Erwerbslosenfrühstück, der deutsch-türkische Kulturaustausch, multikulturelle Wände, die KinderZeitung, eine Trickfilmwerkstatt und vieles mehr. All dies ist nun auf 240 Seiten versammelt und von Ronald Kolb gestaltet. Den Mischnitt (2 Stunden) des AnStifterFunken vom 10.11.09, bei dem Wolfram von Burkhard anläßlich dieses Buches befragt wurde, kannst du gerne bei mir anfordern. (ISBN: 978-3-927340-88-6, 20 Euro)
Bright Star
Erstellt von Armin | Abgelegt unter Kritiken, Tagebuch
Der aktuelle Kinofilm der neuseeländischen Regisseurin Jane Campion (‚Ein Engel an meiner Tafel‘ und ‚das Piano‘) stellt die Liebe zwischen dem Dichter John Heats und der Schneiderin Fanny Brawnes ins Licht. Das Ganze hat sich Anfang des 19. Jahrhunderts in London abgespielt. Ein schöner Autorenfilm (ebenfalls das Drehbuch von Campion) angelehnt an die Biographie von Heats, der zu den wichtigsten Vertretern der Romantik zählt, aber leider völlig mittellos mit 25 Jahren in Rom an Schwindsucht starb und an seinem Talent zweifelte. Das ist auch heute noch so, daß man sich von der Dichterei nicht ernähren kann. Welche Buchhandlung bietet schon Bücher dieser Randgruppe zum Verkauf an? Die Modeerscheinung der Schlammpoeten wird vorübergehen, die großen Vertreter ihres Fachs werden bleiben. Das Gute an diesem Film sind die Kostüme und die unverbrauchten Gesichter der Darstellerinnen. Allerdings gibt es nicht viel zu lachen während der zwei Stunden.
Etikett/en: Film
volxmusik 2.1.10 Spielzettel
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Ihr habt folgende Stücke gehört: Jasper van t’Hofs ‚Pili Pili‘ aus 1984 (Westafrika), Astor Piazzolla y su Quinteto Tango Nuevo mit ‚Tristezas de un Doble A‘ von einem Konzert in Wien 1986 (Argentinien), Gonzalo Rubalcaba ‚Live in Havana‘ mit dem Stück ‚Nueva Cubana‘ aus dem Jahre 1986 (Kuba), Manu Dibango mit ‚Makossa Blow‘ einem Gemisch von Bill Laswell aus ‚Soul Makossa‘ und ‚Big Blow‘ (Kamerun), ‚Sultaniyegah Sirto‘ vom Istanbul Oriental Ensemble (Türkei) unter Leitung von Burhan Öcal von 1997, Don Cherry and The New Eternal Rhythm Orchestra lebend in Donaueschingen 1971 mit ‚Humus-The Life Exploring Force‘, Red Sun und Samul Nori (Korea) mit ‚No Secrets‘ aus dem Jahre 1989.
Etikett/en: FRS
Antichrist
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Erst an einer schweren Depression erkrankt hatte nun der dänische Dogma-Regisseur Lars von Trier seinen neuesten Film in den Kinos. Alles dreht sich hier um ein Paar, gespielt von Willem Dafoe (seinerzeit unter anderem auch Jesus-Darsteller unter Martin Scorsese) und Charlotte Gainsburgh, der Tochter von Jane Birkin und Serge Gainsburgh, die wohl bei der Aufnahme des Klassikers ‚Je t’aime‘ entstand. Der ganze Film ist dem Gedenken an den russischen Filmregisseur Andrej Tarkowski gewidmet. Los geht es mit in Schwarzweiß gehaltenen Zeitlupeaufnahme, unterlegt mit Barockmusik. Während das Paar den Beischlaf praktiziert, stürzt der kleine Sohn bei Schneetreiben aus dem Fenster und stirbt. Dann wieder in Brauntöne gehaltene normale Sequenzen mit der Trauer. Das Paar landet in einem Haus im Wald. Dann wird es ziemlich ätzend und die Frau geht plötzlich auf ihren Mann los, hängt ihm einen Mühlstein im Fleisch seines Beines an und beide quälen sich. Dann bringt er sie, befreit von seiner Last, um und zum Schluß wimmelt es vor lauter Kindern im Wald, wieder in Schwarzweiß. Abgesehen von der Gewalt sind von Trier mal wieder ästhetisch gekonnte Bilder gelungen, ganz weg von der Moral bei ‚Dogville‘ und ‚Manderlay‘.
Etikett/en: Film
Hachiko
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Ein Film des Regisseurs Lasse Hallström, mitproduziert vom Tänzer und Schauspieler Richard Gere, der hier auch die Hauptrolle spielt. Einem Musikprofessor läuft auf seinem Vorortbahnhof beim Heimweg ein junger japanischer Hund zu. Jener nimmt ihn bei sich in seinem Haus auf. Man kommt sich näher, was dann soweit geht, daß der Hund namens Hachi sein Herrchen immer zur gleichen Zeit am Bahnhof erwartet und es den Fußweg bis zum Heim begleitet. Irgendwann stirbt der Professor bei einer Vorlesung und der Hund wartet und wartet, was er dann noch 10 Jahre nach dem Tod des Professors bis zu seinem eigenen Hinscheiden praktiziert. Gefüttert und versorgt wird der Hund vom Bahnhofsvorsteher, dem Würstchenverkäufer, einer Buchhändlerin und einem Metzger. Die Geschichte ist nicht erfunden, sondern hat tatsächlich in einem japanischen Vorort in den 1920ern Jahren stattgefunden. Hachi wurde dort am Bahnhof durch ein Denkmal geehrt. Der mittlerweile ergraute Buddhist Gere hat mal wieder eine japanische Filmvorlage übernommen (wie bei ‚Shall we dance‘) und ihm kamen die Tränen, als er das Drehbuch zu diesem Film las.
Etikett/en: Film